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Fachbegriffe (Glossar)

Adult
Synonym für erwachsen oder geschlechtsreif, wird für tieri-
sche Lebewesen und den Menschen verwendet.

Allogene Transplantation
Bei der allogenen Transplantation werden dem Patienten
fremde Blutstammzellen übertragen. Diese können von ei-
nem verwandten oder unverwandten Spender stammen.

Anfrage zum Spenden
Die Anfrage zum Spenden erfolgt über den regionalen
Blutspendedienst. Nach dem persönlichen Arztgespräch
werden mit Zustimmung des Spenders seine Blutspende-
tauglichkeit geprüft sowie Blutproben für die erneute und
vertiefte Typisierung resp. Gewebeverträglichkeitstests
entnommen.
Zur eigentlichen Entnahme von Blutstammzellen kommt es
erst, wenn die Eignung zum Spenden ärztlich festgestellt
wurde und die Gewebeverträglichkeitstests eine Überein-
stimmung mit dem Patientenblut ergaben.

Anonymität
Wie bei der Blutspende erfolgt auch die Blut-
Stammzellspende zwischen unverwandten Personen ano-
nym, d.h. Spender und Patient kennen sich nicht und erfahren
auch nichts voneinander.

Apherese
Bei der Apherese handelt es sich um eine Methode zur
ausserhalb des Körpers stattfindenden Entfernung von
Blutbestandteilen wie z.B. Zellen aus dem Blut oder Blut-
plasma. Dabei wird der Spender mithilfe zweier Venenka-
theter an seinen Armen an eine Apheresemaschine ange-
schlossen.
Das Blut wird aus einem Arm entnommen, über ein steriles
Schlauchsystem in die Apheresemaschine geleitet, in der die
Zellseparation geschieht. Alle nicht benötigten Blutbe-
standteile werden dem Spender wieder zurückgegeben.

Beckenkamm
Oberrand des Beckenknochens.

Blutgruppen
Erbliches Merkmal des Blutes, das jedem Menschen Blut-
individualität verleiht. Die wichtigsten Blutgruppensysteme
sind das AB0-System und das Rhesus-System. Die Blut-
gruppen spielen bei der Transplantation von Blutstammzellen
eine untergeordnete Rolle. Unter Umständen werden sie erst
in Betracht gezogen, wenn gleichzeitig mehrere passende
Spender verfügbar sind.

Blutstammzellapherese
Bei dieser Apherese (--> Apherese) werden selektiv Blut-
stammzellen entnommen, der Zeitaufwand beträgt ca. 3 bis
6 Stunden.

Blutstammzellquellen
Blut bildende Stammzellen können aus Knochenmark oder
aus peripherem Blut und heute auch aus Nabelschnurblut
gewonnen werden.

Blutzellen
Hier unterscheidet man rote Blutkörperchen (Sauerstoff-
transport), weisse Blutkörperchen (Infektionsabwehr) und
Blutplättchen (Blutungsstillung, Blutgerinnung).

Blutzell-Wachstumsfaktoren
Medikamente, welche die Produktion von Blutstammzellen
anregen und beschleunigen. Die Bildung und Proliferation
(Reifung) der Blutstammzellen geschieht normalerweise im
Knochenmark. Werden aber sehr viele Blutstammzellen in-
nerhalb kurzer Zeit gebildet, so gelangen sie vermehrt in den
Blutkreislauf, obwohl sie noch nicht ihr finales Entwick-
lungsstadium erreicht haben. Diese Zellen können im
Aphereseverfahren (--> Apherese).

Embryonal
Embryonale Stammzellen stehen am Anfang der Zellspezi-
alisierung. Aus ihnen lassen sich alle verschiedenen Zellen
des menschlichen Körpers züchten.

Entnahme von peripheren Blutstammzellen
Bei der Entnahme peripherer Blutstammzellen fliesst über
einen Venenkatheter (--> siehe Venenkatheter) Blut zu einem
Zellseparator. Dieser trennt die Blutstammzellen vom Blut und
sammelt sie. Danach fliesst das Blut über einen zweiten
Venenkatheter zum Spender zurück. Diese Entnahmeform
(--> Apherese) dauert drei bis sechs Stunden und wird an
einem der Entnahmezentren ambulant durchgeführt.
Bei zu geringer Ausbeute an Blutstammzellen am ersten
Entnahmetag kann am folgenden Tag eine weitere Samm-
lung durchgeführt werden. In Ausnahmefällen können bis zu
drei Blutstammzell-Apheresen notwendig sein.

Familiäre Transplantation
Im Gegensatz zur Transplantation zwischen unverwandten Perso-
nen werden bei der familiären Transplantation gesunde Blutstamm-
zellen zwischen Geschwistern übertragen. Die Chance, innerhalb
der Familie einen Spender mit kompatiblem Gewebe zu finden, liegt
bei 25 Prozent.

Finanzielle Ansprüche
Das Spenden von Blutstammzellen beruht auf der Freiwilligkeit und
Solidarität gegenüber kranken Mitmenschen. Wie das Blutspenden
erfolgt es aus ethischen Gründen ohne jegliche finanzielle Ansprü-
che. Jedoch sind sämtliche Labor-, Arzt- bzw. Spitalkosten gedeckt.
Zudem werden direkte Auslagen und der Arbeitsausfall vergütet,
falls dies nicht durch den Arbeitgeber erfolgt.

Gewebetypisierung
Bei der Gewebetypisierung werden anhand von Blutproben die
Gruppen der HLA-Antigene bestimmt. Einige regionale Blutspende-
dienste führen die erste Typisierung der Antigene HLA-A und -B
selbst durch. Beim Nationalen Referenzlabor für Histokompatibilität
in Genf werden alle für die Transplantation relevanten Antigene
bestimmt: HLA-A, -B, -C und -DR (--> HLA-System).

Gewebeverträglichkeit
Bei der Transplantation von Organen, Organteilen oder Zellen wird
eine entsprechende weitgehende Übereinstimmung des HLA-
Systems – je nach Art des zu transplantierenden Produktes - ange-
strebt. Vor jeder Transplantation von Blutstammzellen werden
Spender- und Patientenblut auf ihre gegenseitige Gewebeverträg-
lichkeit geprüft. (--> HLA-System).

Hämatopoietische Stammzellen
Fachbegriff für „blutbildende Stammzellen“, die Mutterzellen aller
Blutzellen = Blutstammzellen.

HLA-System
Das HLA-System (humane Leukozyten-Antigene) ist äusserst kom-
plex und die Bezeichnung für ein System von Oberflächenantige-
nen, die auf den Zellen vieler Gewebe vorkommen und sich beson-
ders gut auf Leukozyten nachweisen lassen. Diese Antigene besit-
zen eine zentrale Funktion für das Immunsystem.


Bei den HLA-Antigenen unterscheidet man in Klasse I (HLA-A, -B, -
C) und Klasse II (HLA-DR, -DQ und -DP), sie werden je zur Hälfte
von der Mutter und vom Vater vererbt. Bei deren
Zusammensetzung ergeben sich über eine Milliarde verschiedener
Kombinationen. Gewisse Kombinationen können das Finden
passender Spender sowohl innerhalb als auch ausserhalb der
Familie erheblich erschweren.


Da sie wichtige Gewebestrukturen in der Unterscheidung zwischen
„selbst“ und „fremd“ sind, haben sie bei der Blutstammzelltrans-
plantation eine entscheidende Bedeutung: Sind die Kombinationen
relevanter Gruppen von HLA-Antigenen zwischen Empfänger und
Spender nicht identisch, kann der Körper die fremden
Blutstammzellen abstossen, oder die transplantierten
Blutstammzellen stossen den fremden Körper ab. Letzteres wird
„Graft-versus-Host-Krankheit“ genannt.

Information
Freiwillige Spender haben von Anfang an Anspruch auf
umfassende Informationen und Beantwortung persönlicher Fragen:
Bei der Registrierung oder bei der Blutentnahme für
Gewebeverträglichkeitstests oder bei der Anfrage zur
Blutstammzellspende geschieht dies durch Ärzte der regionalen
Blutspendedienste. Vor der Entnahme von Blutstammzellen erfolgt
die Information durch Ärzte des Entnahmezentrums.

Knochenmark
Das Knochenmark befindet sich im Stammskelett wie Rippen und
Beckenknochen und ist verantwortlich für die Bildung von
Blutzellen. Knochenmark ist nicht zu verwechseln mit Rückenmark:
So wird bei der Entnahme nicht das Rückenmark punktiert.
Das rote Knochenmark enthält die Blutstammzellen und ist für die
Blutbildung zuständig. Bei Kindern enthalten alle Knochen rotes
Knochenmark, bei Erwachsenen nur gewisse Knochen wie Becken,
Brustbein und Rippen. Die übrigen Knochen enthalten gelbes Kno-
chenmark, welches aus Fett besteht.

Knochenmarkentnahme
Das Knochenmark wird mit einer Spritze und in mehrfachen Punkti-
onen aus dem Beckenkamm entnommen. Die Entnahme findet un-
ter Narkose statt und wird von Spezialärzten in einem der Entnah-
mezentren Basel, Genf oder Zürich durchgeführt. Das Spital kann
in der Regel bereits am nächsten Tag verlassen werden.

Leukämie
Leukämie, im Volksmund als „Blutkrebs“ bekannt, ist eine Krebser-
krankung der weissen Blutzellen (Leukozyten) des blutbildenden
Systems, bei der es zu einer ungebremsten – krankhaften – Ver-
mehrung der weissen Blutkörperchen kommt und damit zu einer
Verdrängung der gesunden Zellen im Knochenmark.

Mobilisierung von Blutstammzellen
Blutstammzellen können aus dem Knochenmark in das zirkulieren-
de Blut mobilisiert werden, z.B. bei Blutstammzellspendern durch
die Gabe von Wachstumsfaktoren (G-CSF) (--> Blutzell-
Wachstumsfaktoren).

Nebenwirkungen bei der Knochenmarkspende
Für einige Tage ist mit Schmerzen bei den Punktionsstellen sowie
einer durch die Narkose wie auch durch den Blutverlust
hervorgerufenen Müdigkeit zu rechnen. Sonst sind keine weiteren
gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder Spätfolgen zu erwarten.
Das Knochenmark regeneriert sich vollständig innerhalb weniger
Wochen.

Nebenwirkungen bei der Spende von peripheren Blutstammzellen
Zur Vermehrung der Blutstammzellen werden dem Spender etwa
fünf Tage vor der geplanten Entnahme Wachstumsfaktoren für die
Blutstammzellen unter die Haut gespritzt. Dabei können wie bei ei-
ner Grippe vorübergehend Kopf- und Gliederschmerzen auftreten.
Bei der Entnahme selbst kann es zu Blutungen / Schmerzen an der
Einstichstelle kommen. Da die Langzeitwirkungen von Wachs-
tumsfaktoren nicht abschliessend erforscht sind, wird nach der Ent-
nahme das Blut periodisch kontrolliert.

Peripher
Aussen, am Rande gelegen, fern dem Zentrum; beschreibt als peri-
phere Blutstammzellen jene Zellen, die sich (fern vom Knochen-
mark) im Blutkreislauf, also im Blut, befinden.

Registrierung ins Register der Stiftung Blut-Stammzellen
Der Eintrag ins Register ist freiwillig. Er erfolgt aufgrund einer Ab-
sichtserklärung der betreffenden Person, und nachdem die Ergeb-
nisse der Gewebetypisierung (--> HLA-System) vorliegen und die
Blutspendetauglichkeit bestätigt (u.a. Infektmarker) ist.

Vorschriften
Gemäss den Vorschriften für die Spende und die Transplantation
von hämatopoietischen Stammzellen von unverwandten Spendern
werden in der Schweiz Transplantationen von Blutstammzellen von
unverwandten Spendern bei Kindern und bei Erwachsenen bis zum
Alter von 65 Jahren durchgeführt. Bei Patienten von 65 – 80
Jahren gelten besondere Kriterien.

Spendersuche
Die Suchen nach kompatiblen Spendern werden aufgrund von
Suchaufträgen der zuständigen Transplantationszentren oder aus-
ländischer Register eingeleitet.

Spender werden
Als Spender können sich alle gesunden Personen im Alter von 18 -
45 Jahre registrieren lassen, welche auch die Kriterien zur Blut-
spende erfüllen. Spenden selber kann man jedoch vom 18. bis zum
55. Lebensjahr.

Stiftung Blut-Stammzellen
In der Schweiz übernimmt die Stiftung Blut-Stammzellen (bis vor
kurzem „Schweizer Register für Knochenmarkspender“) seit 1988
die nationale Aufgabe des Führens einer Spenderdatenbank sowie
der Suche und der Vermittlung geeigneter unverwandter Spender
für Patienten im In- und Ausland. Die medizinische Tätigkeit der
Stiftung wird durch die „Kommission unverwandte
Knochenmarktransplantationen“ überwacht.

Transplantation
Als Transplantation bezeichnet man in der Medizin die
Verpflanzung eines Transplantates. Ein Transplantat kann aus
Zellen, Geweben, ganzen Organen oder Gliedmassen bestehen.
Vor der Blutstammzelltransplantation unterziehen sich die Patienten
zur Vernichtung des kranken Knochenmarks einer Chemo-
und/oder Strahlentherapie. Danach werden ihnen die gesunden
Blutstammzellen wie bei einer Bluttransfusion über einen
Venenkatheter verabreicht.
In über 80 Prozent aller Fälle installieren sich die neuen Blutstamm-
zellen im Knochenmark des Patienten und beginnen sich nach etwa
14 Tagen zu vermehren und in die Blutzellen auszureifen.

„Unverwandte“ Transplantation 
Bei der „unverwandten Transplantation“ werden gesunde Blut-
stammzellen von freiwilligen, nicht familiären Spendern übertragen.
Dies erfolgt, wenn innerhalb der eigenen Familie kein geeigneter
Spender gefunden werden konnte.

Venenkatheter
Mit dem Venenkatheter bezeichnet man einen dünnen, weich-
elastischen Plastikschlauch, der in das Venensystem eingeführt
wird, z.B. in den Arm.

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